Melanie Montag, 3. August 2009 - 23:40
Zuerst hatte ich mir überlegt, noch eine weitere Nacht in Alice Springs zu bleiben und mir einige Sehenswürdigkeiten wie den Desert Park anzusehen. Aber nach Mount Isa freue ich mich nun richtig auf die Natur und „Rote Steine“. Da habe ich lieber nach der Red Centre-Runde dann wieder 1-2 Tage in der Stadt. Außerdem ist heute eh Feiertag und vieles geschlossen bzw. wenn offen, mit Besuchern aus der Gegend überschwemmt, die das lange Wochenende nutzen. Morgens habe ich mir zuerst die Haare gewaschen. Das war leider keine so gute Idee. Das Wasser hier stinkt nach Schwefel und meine Haare nun leider auch, echt widerlich! Anscheinend haben sie über Nacht auf den Pool aufgefüllt, denn der ganze Campingplatz stinkt morgens nach Schwefel und das war gestern Abend noch nicht. Bei Coles habe ich dann Großeinkauf an Lebensmitteln (Hauptsache Dosenessen) und Getränken gemacht und habe mir bei K-Mart einen Cooler gekauft. Das hat mich nämlich tierisch genervt, dass ich mein Essen nicht kühlen konnte, Die Kühltasche war zwar besser wie nichts, aber wenn es im Auto richtig warm war, auch auf der Tascheninhalt bacherlwarm. Nun habe ich endlich eine Art Tonne, die man auch an den Zigarettenanzünder anstecken kann. Ist zwar nur ein „Cooler“ und kein „Fridge“, aber das sollte reichen. Bis jetzt war der günstigste „Cooler“ bei $260,-, den ich gesehen hatte und nachdem der hier auf $70,- reduziert war, habe ich zugeschlafen. Achja, für einen richtigen „Fridge“ kann man lockerleicht $1.000,- hinblättern.
Ich musste dann noch etwas Zeit vertrödeln, bis um 10 Uhr die Videothek öffnet, aber die hat zum Glück schon um 15 min vorher aufgemacht. Die DVDs abgegeben, Kaution zurückbekommen, noch das Auto vollgetankt und dann ging es raus aus der Stadt.
Über den Larapinta Drive erreicht man gleich nach der Stadtgrenze den West MacDonnell Ranges National Park. Ehrlich gesagt hätte ich mir die Bergkette höher vorgestellt, aber die Gegend gefällt mir trotzdem sehr gut. Endlich rote Steine, haha. (Meine USA-Freunde verstehen, was ich meine, hihi.) Den ersten Halt habe ich an der Simpsons Gap eingelegt. Bei der Schlucht fand gerade ein Rangertalk statt, dem ich mich angeschlossen habe. Eine junge Rangerin erklärte einige Tiere und Pflanzen und deren Eigenschaften. Wie auf Kommando sahen wir sogar ein Rockwallaby auf den Felsen herumhüpfen und in den Bäumen schwirrte und piepste es nur so von kleinen Zebrafinken.
Genau richtig zur Mittagszeit (am besten zum Fotografieren) kam ich bei Standley Chasm an. Diese „Felsspalte“ liegt auf Privatgebiet und das lassen die sich ordentlich mit $8 Eintritt p.P. bezahlen. Der Weg zur ersten Felsspalte war auch für gebrechlichere Leute zu meistern. Die Felsspalte ist recht schmal und die Sonne schien schön von oben in den Durchgang hinein. Allerdings hatte ich in den USA schon höhere und schmälere Felsspalten gesehen. Wesentlich schöner und schmäler war die 2. „Chasm“. Ich hatte zwar am Eingang von einer 2. Felsspalte gelesen, aber Wegweiser gab es keinen. Ich habe einfach mal die Felsbrocken am Ende der Standley Chasm erkundigt und siehe da, nach ein bisschen Kletterei über größere Steine stieß man auf eine kleine Metallleiter. Also musste es wohl doch noch irgendwohin weitergehen. Nach ein paar Metern teilte sich der „Weg“ auf. Entweder konnte man geradeaus auf einer Art Geröllbett ein Stück weit nach oben klettern oder nach links abzweigen. Links war etwas klettern angesagt. Über große Steinbrocken ging es weiter, bis irgendwann ein Baumstamm als „Leiter“ kam. Ach du Sch…! Ich mit meiner Höhenangst… Aber die Neugier war stärker. Also Mut gesammelt, mit den Händen links an der Felswand abgestützt und langsam Fuß für Fuß nach vorne. Puh, geschafft und die Mühe hat sich gelohnt. Oben wartete eine schmale, hohe Felsspalte, juhu. Nur leider war der Weg kein Loop wie gehofft. D.h., ich musste die ganze Felskletterei inkl. Baumstamm zurück. Oh nee! Hab das aber ganz elegant gelöst, hehe. Hab mich rückwärts auf dem Baumstamm gesetzt und langsam herunterrutschen lassen.
Hm, nachdem noch ein Mann nach mir über das „Ende“ der 1. Felsspalte geklettert war, kamen auf einmal auch die anderen Leute nach. Aber die drehten an der Abzweigung um und kletterten nicht mehr weiter nach links weiter bzw. den Hang gerade aus nach oben. 
Gegen 13:30 Uhr kam ich am Ellery Creek Big Hole an. Das ist eine permanente Wasserstelle vor einer Schlucht, die der meistens ausgetrocknete Ellery Creek im Laufe der Jahrtausende in die Bergkette gefressen hat. Eine Gruppe junger Engländer kam auch gerade am „Big Hole“ an. Ein paar Jungs hüpften mutig ins Wasser. Also dem Gequieke nach muss der See a…kalt sein.
Nur Pete hat die Steinpiste zum Big Hole nicht gefallen, seitdem streikt der vordere rechte Blinker. Der Arme wurde auch mächtig durchgeschüttelt.
Die Serpentine Gorge habe ich ausgelassen. Nach ein paar Metern wurde die Schotterpiste dorthin zur Schlagloch-Stein-Piste, da hatte ich keine Lust dazu. Im Reiseführer hieß es eh, dass man durch eine Wasserstelle durschwimmen muss, um zur Schlucht zu kommen. Nee, muss nicht sein. Lieber bin ich weiter zu den Ochre Pits gefahren. Ein kurzer Pfad führt zu einer Felswand in den buntesten Farben. Hier haben die Aboriginals der Umgebung seit Jahrtausenden Farben für die Körperbemalungen geholt. Die Ochre Pits sind zwar nur ca. 100m lang, aber sehenswert.
Nächster und letzter Haltepunkt für heute war die Ormiston Gorge. Als erstes habe ich einen Stellplatz auf dem Campground gesucht (6,60 p.P./N) und die Self Registration erledigt. Um 15:30 war ein Rangertalk angeschrieben, bis dahin war noch ne gute halbe Stunde Zeit, um zur Gorge und zurück zu spazieren. Vor dem See im Flussbett hüpfte gerade ein Rockwallaby auf den Felsen herum. Eher gesagt saß es neugierig da und lies sich nicht beim Fressen stören. Sonst sind die Tierchen recht scheu, aber dieses war wohl schon an die Touris gewöhnt. Oder wir denken uns: „Ui, ein süßes Wallaby. Ist das niedlich.“ Und das denkt sich: „Ui, was ist sind denn das für lustige Wesen mit klobigen Dingern an den Pfoten, nem bunten Sack auf dem Rücken statt nem Beutel am Bauch und etwas blitzendem in der Hand, die immer ganz doof zu mir herüber gucken.“
Für mich ist die Ormiston Gorge einer der schönsten entlang des Larapinta Drives. An einer hohen, roten Felswand ist ein kleiner permanenter See übriggeblieben, sonst ist das breite Flussbett größtenteils ausgetrocknet. Zwischendurch strecken ein paar Ghost Gums ihre weißen Äste von sich und der blaue, wolkenlose Himmel tut sein übriges. Ach, ich könnte hier noch zig Fotos machen.
Um 15:30 Uhr sollte der Ranger Talk im Amphitheater stattfinden. Nur wo ist das?! In den Plänen auf den Schautafeln ist das nämlich nirgends eingezeichnet. Eine Familie hat auch hilflos herumgeguckt. Hinter dem Info-/WC-Gebäude sind wir dann fündig geworden. Zuerst gab der Ranger verschiedene Gesteinsproben herum. U.a. einen Stein mit Muscheln darin und einen Block mit Stromatolithen. Stromatolithen sind die ältesten Lebewesen der Welt. Aus ihnen sind sozusagen irgendwann auch wir entstanden. Deren Wachstum laut Ranger: 1 cm pro 100 Jahre. *Wow* Danach stand „Tiere erkennen“ auf dem Programm. Für die Kinder war´s natürlich aufregend, einen Dingo- oder Wallaby-Schädel und verschiedene Kackbollen ansehen und v.a. anfassen zu dürfen. Jeder bekam ein Blatt mit einem Tier darauf und musste es dann der richtigen Spur zuordnen. Mein Perentie (Waran) war ganz leicht. Dabei haben wir auch gleich gelernt, dass der Perentie der zweitgrößte Waran der Welt (nach dem Komodo-Waran) ist.
Um 16:20 war der Rangertalk zu Ende. Prima, dann reicht die Zeit bis zum Sonnenuntergang noch locker, um den Ghost Gum Walk zu laufen. Der Weg bis zur Aussichtsplattform ist mit 30 min (einfach) angegeben. Der gesamte Loop weiter zur Gorge und durch das Flussbett zurück sollte ca. 1:30 Std. dauern, Schwierigkeitsstufe „medium difficult“, da sandig-felsiger Weg im Flussbett). Hehe, bis zum Lookout waren es dann ganze 15 min, für den kompletten Rundweg inkl. zahlreicher Fotostops waren es 45 min.
Naja, wenn der Fluss mal richtig Wasser führt, kann das gleich ganz anders (schwieriger & länger) aussehen. Zurück am Campingbereich hatte ich tierischen Hunger. Es gab Steak und Kartoffelbrei. Jetzt liege ich im Auto, schreibe Tagebuch, futtere getrocknete Ananas und werde langsam in den Fleece-Schlafsack kriechen. Die Bettdecke ist zwar schön warm, aber nachts fällt die Temperatur fast auf den Gefrierpunkt. Letzte Nacht in Alice Springs bin ich irgendwann aufgewacht, weil es a…kalt war. Und hier „draußen auf dem Land“ wird es bestimmt noch kälter, brrr. (Nachtrag: es waren dann nachts 2°C)